„BdV Kreisverband Dessau hat aufgehört zu existieren“

Schlappe für die NPD / Bund der Vertriebenen untersagt Ausstellung in NPD-Zentrum

Großspurig hat die NPD-Sachsen-Anhalt angekündigt, gemeinsam mit dem Dessauer Kreisverband des Bundes der Vertriebenen vom 21. Januar bis 06. Februar 2011 im Bernburger NPD-Objekt die Ausstellung „Vertreibung der Deutschen, ein unbewältigtes Kapitel europäischer Zeitgeschichte“ zu präsentieren. Der Bund der Vertriebenen (BdV), der die Ausstellung vor 15 Jahren erstellt habe, hat kurz vor der geplanten Eröffnung der Landes-NPD per „Unterlassungsverpflichtungserklärung“ untersagt, die Ausstellung zu zeigen. Der BdV-Kreisverband Dessau verkündete im selben Atemzug, er habe „aufgehört zu existieren“.

Screenshot des NPD-nahen Portals "Kampakt-Nachrichten"
Screenshot NPD-nahes Portal „Kampakt-Nachrichten“

 

Immer wieder hat der Dessauer Frank Nowak in den letzten zwei Jahren versucht als BdV-Kreisvorsitzender und „1. Vorsitzender des Dessauer Kultur,- und Heimatkreisarchivs zur Förderung und Erhaltung des materiellen,- geistigen,- und kulturellen Erbes der deutschen Heimatvertriebenen und der Heimatverbliebenen aus Mittel,- Ost,- und Südosteuropa“ auf sich aufmerksam zu machen. Auf rechten Internetseiten waren von Nowak wiederholt Appelle zur Teilnahme an Neonazidemonstrationen zu vernehmen sowie die Erklärung der „Mitgliederversammlung des Dessauer Heimat und Kreisarchivs“ im September 2009 zur Bundestagswahl geschlossen die NPD zu wählen.

Frank Nowak

Als Redner der Neonazidemonstration am 13. März 2010 in Dessau-Roßlau (mehr dazu hier…) schwadronierte Nowak u.a. vom „unbeeinflussten Geschichtsbewusstseins wider den Zeitgeist“. Anlässlich der Kapitulation Nazideutschlands am 08. Mai 1945, so der Dessauer per Pressemitteilung im Mai 2010, „gedenken wir ehrwürdig und ehrenvoll unseren deutschen Soldaten der Wehrmacht und aller Einheiten und Waffengattungen, die im zweiten Weltkrieg durchwegs ritterlich und fair gekämpft und ihr Leben für das Deutsche Volk und Vaterland, für das Deutsche Reich eingesetzt haben. … Unsere Großväter und Väter waren keine Mörder, es waren aufrichtige, ehrliche und tapfere Soldaten, die ihren Eid und ihre Pflicht erfüllten, das Deutsche Reich und das Deutsche Volk zu schützen und zu verteidigen“, so Nowak.

„Entsetzt“ reagierte NPD-Landesvorsitzender Matthias Heyder auf die Untersagung der Ausstellung nach „massiven Drohungen mit exorbitant hohen Streitwerten seitens des Bundes der Vertriebenen“.  „Die NPD ist die einzige nationale Kraft, die die Vertriebenen nie verraten hat“, legte Heyder wahlkämpferisch nach und kündigte für den 21. Januar 2011 einen „Vortragsabend zum Thema Demokratie und Freiheit“ im Bernburger JN-Schulungszentrum zusammen mit dem Dessau-Roßlauer Rechtsanwalt Ingmar Knop an.

Wie der Bund der Vertriebenen dokumentiert, habe Frank Nowak am 20. Januar 2011 erklärt: „Ich teile Ihnen mit das der BdV Kreisverband Dessau sich mit sofortiger Wirkung aufgelöst hat, alle Mitglieder und Funktionsträger haben Ihre Ämter niedergelegt. Der BdV Kreisverband Dessau hat aufgehört zu existieren. Es gibt keinen BdV Kreisverband und Herr Frank Nowak ist auch Kein BdV Kreisvorsitzender. [sic]“ Reumütig bat er, „von einer Unterlassungsklage Abstand zu nehmen“ und hofft „auf eine humane und sozial verträgliche Entscheidung“ dazu. Laut Ankündigung in einem neonazistischen Internetforum hatte Nowak geplant die Ausstellung noch in anderen Bundesländern zu präsentieren.

||Infothek, 23. Januar 2011||
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