13. Februar 2010 / Dresden: Heidefriedhof

„Nazi-Typen, die an diesem Tag unser Dresden belästigen“

Wie schon in den Jahren zuvor fand am Vormittag des 13. Februar auf dem Heidefriedhof die offizielle Gedenkveranstaltung der Stadt Dresden für die Opfer der Luftangriffe statt. Insgesamt nahmen daran an dem Ort, an dem die meisten der Toten der Luftangriffe in Massengräbern beigesetzt wurden, etwa 250 Menschen teil. Unter ihnen befanden sich die Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU), der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), Vertreter der Bundeswehr sowie der Jüdischen Gemeinde sowie weitere Vertreter aus Parteien und Verbänden. Ein Drittel der Teilnehmer dieser Veranstaltung waren wie in den Jahren zuvor die Vertreter der sächsischen NPD-Landtagsfraktion sowie weitere Neonazis aus der Region.

Um an den Ort der offiziellen Gedenkveranstaltung zu gelangen, durchquerten alle Teilnehmer zunächst ein Rondell, welches von 14 Steinsäulen eingeschlossen ist. Auf diesen Säulen stehen die Namen von sieben Konzentrationslagern, von vier von der deutschen Wehrmacht zerstörten Städten sowie von zwei Orten, die symbolisch für die Massaker von SS und Wehrmacht an der Zivilbevölkerung in eroberten Gebieten stehen. Inmitten dieser Gedenkstelen an die nationalsozialistischen Verbrechen ist auf einer dieser Säulen auch der Name von Dresden aufgeführt. Die vorgegebene Lesart ist eindeutig. Auch Dresden und seine Einwohner sollen ungeachtet ihrer eigenen nationalsozialistischen Vergangenheit als die Opfer von Nationalsozialismus und Willkürherrschaft gelten.

Am Gedenkstein für die Toten der Luftangriffe auf Dresden hielt die Dresdener Oberbürgermeisterin Orosz eine kurze Rede, in der sie nichtsdestotrotz auf den Zusammenhang hinwies zwischen „diesem verdammten Krieg, der von deutschem Boden aus in die Welt getragen wurde, … und der nur Dank des Sieges der Opfer über die Täter, über Nazi-Deutschland ein Ende fand“ und dem „Untergang unserer wunderbaren Stadt.“ Klare Worte fand Orosz auch für die etwa 80 anwesenden Neonazis und die in Dresden an diesem Tag noch erwarteten mehreren Tausend, für „diese Nazi-Typen, die an diesem Tag unser Dresden belästigen“. Sie rief die Anwesenden zur Teilnahme an der Menschenkette in der Dresdener Altstadt auf: „Gleich, ob sie nun jung und dumpf oder alt und starrsinnig sind, diese Ewiggestrigen wollen wir hier nicht sehen… Das werden wir dieser Horde Rechtsextremer heute und immer wieder  unmissverständlich klar machen. Wir werden uns bei den Händen nehmen und aus einzelnen, schwachen Gliedern eine starke, schützende Kette um unsere Stadt legen.“

Anschließend legten alle Anwesenden nacheinander ihre Kränze nieder. Zu einem Zwischenfall kam es, als ein Neonazi aus der ersten Reihe während dessen einen Zusammenbruch erlitt und vornüber kippte. Offenbar in Abgrenzung zum städtischen Gedenken kamen nach Beendigung des offiziellen Teil Vertreter der „Aachen-Dresdner Burschenschaft Cheruscia“, um ihren Kranz abzulegen. Nachdem alle Parteien, Verbände und Vereine ihre Kränze niedergelegt und das Areal zum Teil bereits wieder verlassen hatten, nahmen auch die anwesenden rund 80 Neonazis vor dem Denkmal Aufstellung zu einer Gedenkminute. Nachdem auch sie anschließend den Platz verlassen hatten, kamen drei Delegationen noch einmal zurück um eilig einige Kränze für die NPD niederzulegen. Das ehemalige Mitglied des sächsischen Landtages René Despang kam mit einem gemeinsamen Kranz für den NPD-Kreisverband Dresden und das Nationale Bündnis Dresden an die Gedenkstätte zurück, der sachsen-anhaltische JN-Vorsitzende Andy Knape aus Magdeburg legte zusammen mit einem sächsischen NPD-Vertreter den Kranz für den sächsischen NPD-Landesverband nieder und zwei subkulturell-schwarz gekleidete jüngere Neonazis waren für den Kranz der Landtagsfraktion zuständig. Neben Knape waren weitere Magdeburger Neonazis vor Ort auf dem Heidefriedhof, sie waren als Ordnerdienst für den Neonazi-Tross eingesetzt.

||Infothek, März 2010||
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