12. Februar 2010 / Wolfen: Mahnwache

„Ein Licht für Dresden…“, aber dann blieben die Kerzen aus

Neonazis veranstalten Mahnwache // „Soli-Aktion“ für europaweit größten Neonaziaufmarsch in Dresden

Knapp 30 Neonazis der Region Anhalt versammelten sich am 12. Februar 2010 ab 17.30 Uhr an der Dessauer Allee in Wolfen zu einer Mahnwache. Genau wie ein Jahr zuvor hatte die Fraktionsvorsitzende der NPD-Fraktion im Kreistag von Anhalt-Bitterfeld Carola Holz die Veranstaltung unter dem gleichlautenden Motto: „Ein Licht für Dresden“ angemeldet. Bundesweit führen Neonazis in den Tagen vor dem europaweit größten Neonaziaufmarsch im Februar in Dresden verschiedenste so genannte „Soli-Aktionen“ durch. Im vorigen Jahr nahmen daran noch bis zu 50 Neonazis teil.

Jedes Jahr zelebriert die Neonaziszene anlässlich der Bombardierung deutscher Städte 1945 einen extrem rechten Opfermythos. Dabei versuchen sie losgelöst von der Schuld, die Deutschland mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges und der millionenfachen Vernichtung von Menschen in Konzentrationslagern auf sich geladen hatte, die militärischen Interventionen der Alliierten als Angriffskrieg und Nazideutschland zum Opfer zu verklären. Die „Trauermärsche“, bei denen explizit den deutschen Opfern und der Zerstörung deutscher Städte gedacht wird, stellen für die Neonazis szeneübergreifend ein identitätsstiftendes Moment dar.

Neben dem Aufmarsch in Dresden, an dem im Februar 2009 mehr als 6.000 Neonazis teilnahmen (mehr dazu hier…), werden ähnliche Veranstaltungen im kleineren Rahmen auch in andere Städten durchgeführt. So begann die Saison des rechten Opfermythos in diesem Jahr mal wieder am 16. Januar in Magdeburg (mehr dazu hier… und hier…) und wird sich auch nach dem Aufmarsch am 13. Februar in Dresden noch in zahlreichen anderen Städten fortsetzen. So versuchen beispielsweise die „Freien Nationalisten Dessau und Anhalt-Bitterfeld“ in den letzten Jahren einen alljährlichen Aufmarsch im März in Dessau-Roßlau zu etablieren (mehr dazu hier…) – dieser ist mittlerweile bis 2015 im Voraus angemeldet. Aber auch in Chemnitz, Lübeck und andere Städte erhält der extrem rechte Geschichtsrevisionismus seit Jahren Einzug. Neben den Solidaritäts-Aktionen zum Dresden-Aufmarsch führten die Neonazis der Region Anhalt in diesem Januar erstmals als einzige im Land eine vergleichbare Mahnwache (mehr dazu hier…) am Vorabend des Aufmarsches in Magdeburg durch und sicherten sich damit ein Alleinstellungsmerkmal in diesem Kontext.

An der Mahnwache in Wolfen nahmen neben den Neonazis der „Freien Nationalisten Dessau und Anhalt-Bitterfeld“ um die rechtsextreme Kommunalpolitikerin Carola Holz auch Vertreter der DVU und des Dessauer Kreisverbandes des Bundes der Vertriebenen (mehr dazu hier…) teil. Die etwa 50 Windlichter, die im Kreis um die Mahnwache herum entzündet werden sollten, trotzen dem Wind und Schnee nicht genügend und so blieb es bei einigen wenigen Versuchen andächtiger Lichter – die allerdings auch schnell wieder erloschen waren.

||Infothek, 13. Februar 2010||
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