26. Januar 2010 / Texas: JN-Funktionär tot

JN-Landesgeschäftsführer ist bei Unfall in den USA ums Leben gekommen

17.01.2009 Neonaziaufmarsch in Magdeburg

Im Januar 2010 ist der erste Beisitzer und Landesgeschäftsführer der Jungen Nationaldemokraten Sachsen-Anhalt verstorben. Der 1984 geborene Bennet Schulze aus Magdeburg soll, so bestätigte es auf Anfrage ein Sprecher der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord, in den Vereinigten Staaten einem Unfall zum Opfer gefallen sein. „Für Fremdverschulden gibt es gegenwärtig keine Hinweise“, gibt der Polizeisprecher weiter an. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigt den Fall auf Nachfrage und gibt darüber hinaus bekannt, dass es sich bei dem Todesfall um einen Bootsunfall gehandelt habe. Der Leichnam Schulzes wurde am 26. Januar 2010 von den amerikanischen Polizeibehörden aufgefunden. Zuvor war Schulze vermisst gemeldet worden. Aufgrund des letzten Aufenthaltsortes des Verstorbenen sei das Generalkonsulat in Houston/Texas mit dem Fall betraut, bestätigt das Auswärtige Amt in Berlin abschließend.

05.04.2009 NPD-Bundesparteitag in Berlin
05.04.2009 NPD-Bundesparteitag in Berlin

Bennet Schulze, der in den Vereinigten Staaten von Amerika häufiger Familienangehörige besuchte, war in Deutschland zuletzt mit dem Amt des Landesgeschäftsführers der NPD-Jugendorganisation JN betraut. Der Informatikstudent kandidierte im Jahr 2009 als einer von zehn Magdeburger Neonazis auf der Liste der NPD um Mandate im Magdeburger Stadtrat. Trotz den lauthalsen Bekundungen, flächendeckend in Fraktionsstärke in die Parlamente einziehen zu wollen, schaffte es in Magdeburg nur ein NPD-Vertreter – Matthias Gärtner.

19.12.2008 Eröffnung NPD-Büro in Bernburg
19.12.2008 Eröffnung NPD-Büro in Bernburg

In Erscheinung getreten war Schulze erstmals als Mitglied der im Jahr 2002 gegründeten „Kameradschaft Festungsstadt Magdeburg“. Der Neonazizusammenschluss, der sich später auch „Nationale Sozialisten Magdeburg“ nannte, soll sich im Jahr 2007 selbst aufgelöst haben. Bereits seit 2005 soll sich die Kameradschaft Beobachtern zufolge immer mehr an die NPD angenähert haben. Schulze war u.a. für die Internetseite der „Kameradschaft Festungsstadt“ verantwortlich. Die Neonazis dieser Kameradschaft gründeten den „Sport- und Freizeit e.V.“ sowie die “Initiative gegen das Vergessen”.  Der  „Sport und Freizeit e.V.“ betrieb in Vergangenheit den Magdeburger Neonaziclub „S 26“ (benannt nach der SS-Standarte 26). Als „Initiative gegen das Vergessen“ organisieren die Neonazis alljährlich die neonazistischen „Trauermärsche“ in Magdeburg anlässlich der Bombardierung der Stadt im zweiten Weltkrieg.

19.12.2008 Eröffnung NPD-Büro in Bernburg
19.12.2008 Eröffnung NPD-Büro in Bernburg

Nach einem Überfall auf linke Jugendliche im November 2004 war der verstorbene Neonazi wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen zu acht Monate Haft – auf drei Jahre Bewährung ausgesetzt – verurteilt worden. Infolge einer Anzeige wegen Beleidigung des Magdeburger Oberbürgermeister Lutz Trümper auf der Internetseite „Festungsstadt Magdeburg“ im Jahr 2005 musste sich Schulze vor dem Amtsgericht als Webmaster des Internetauftrittes verantworten. Trümpers Betonung der Kriegsschuld des nationalsozialistischen Deutschland bei einer städtischen Gedenkfeier war damals von dem Internetportal der Neonazikameradschaft mit Hetzparolen gegen ihn quittiert worden. Die Autoren warfen Trümper u.a. „Geschichtsfälschung“ vor. Wegen Beleidigung und Verstoß gegen das Waffengesetz war Schulze daraufhin zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Monaten verurteilt worden, die ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt wurden. Bennet Schulze war auch im Dezember 2008 bei der Eröffnung des NPD-Büros in Bernburg von einem Nazigegner wegen Bedrohung angezeigt worden.

||Infothek, 12. Februar 2010||
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