29. November 2008 Bitterfeld / Dessau

„Die Teilnehmer möchten nicht fotografiert werden – unterlassen Sie das!“

Neonazis machen spontanes Kundgebungs-Hopping in Bitterfeld und Dessau

Am 29. Novemer 2008 veranstalteten Neonazis der Region Anhalt in Bitterfeld-Wolfen und Dessau-Roßlau zwei Kundgebungen in Folge. Ab 11.00 Uhr versammelten sich die Neonazis aus Dessau-Roßlau, Landkreis Wittenberg und Anhalt-Bitterfeld im Bitterfelder Stadtgebiet wo sie für etwa zwei Stunden die erste Kundgebung abhielten. Nach einem Zwischenstop auf einem Spielplatz nahe der Dessauer Allee in Wolfen-Nord machten sich die Rechtsextremen auf nach Dessau-Roßlau, um auf der Museumskreuzung von 15.00 bis 16.30 Uhr eine zweite Kundgebung abzuhalten.

Mit 25 bis 30 Teilnehmern versuchten die Rechtsextremen um Carola Holz im Ortsteil Bitterfeld unter anderem einen kopierten Artikel der Mitteldeutschen Zeitung, der sich der polizeilichen Fahndung nach einem verurteilten Sexualstraftäter widmet, zu verteilen. Viel Abnehmer fanden sie nicht unter den wenigen Passanten, die bestenfalls vom Supermarkt-Parkplatz hinter ihnen den Weg an die rechtsextreme Veranstaltung fanden.

„Die Teilnehmer möchten nicht fotografiert werden – unterlassen Sie das!“, begrüßte einen der Einsatzleiter der Polizeikräfte vor Ort und versuchte damit den irrationalen Wünschen der Rechtsextremen gerecht zu werden. Vehement versuchte jener Einsatzleiter vergeblich in folgenden Diskussionen presserechtliche Standards ad absurdum zu führen ohne jegliche gesetzliche Begründung. Gerade so, als hätte er Order, sich als Rächer der Entrechteten vor die selbsternannten Opfer schützend zu stellen, versuchte die Einsatzleitung sich vor Kameraobjektive zu positionieren.

Einen Zwischenstopp legten die Neonazis im Ortsteil Wolfen auf einem Spielplatz nahe der Dessauer Allee ein – just an jener Adresse, die als V.i.S.d.P. (Verantwortlicher im Sinne des Presserechts, Anm. d. Red.) auf den zuvor verteilten Flugblätteren angegeben war. Sich teils vermummend, teils drohend bewegten sie sich auf dem Spielplatzgelände auf und ab, so dass eher der Eindruck erweckt wurde, dass sie Kinder die auf dem Spielplatz hätten spielen wollen, davon jagen wollten. Das jener Mob Vermummter sich anschließend in der Dessauer Innenstadt einfinden sollte, um gegen Gewalt zu demonstrieren, schien in diesem Moment noch gänzlich einem Albtraum zu gleichen.

Doch gegen 15.00 Uhr waren es jene Rechtsextremen, die zuvor möglicherweise hätten Unliebsame gewaltsam jagen wollen – wie es schien – die sich nun zur zweiten Kundgebung einfanden. In Dessau waren es nun etwa 40 Teilnehmer auf der Museumskreuzung. Jüngst verurteilte rechtsextreme  Gewalttäter unterstützten zudem die Aktion gegen linke Gewalt in der Muldestadt. Ein Ordner, der offensichtlich auf beiden Kundgebungen für den Gebrauch von Handgranaten warb, komplettierte das Bild.

Bei stetig steigenden Zahlen der Opfer rechtsextremer Angriffe – gerade auch in Dessau-Roßlau – scheint die bereits dritte rechtsextreme Kundgebung gegen linke Gewalt in Dessau-Roßlau, allein im Jahr 2008, in einer gezielten Täter-Opfer-Verdrehung begründet zu liegen. Ein Flugblatt war für Passanten auch auf Nachfrage nicht zu erhalten.

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