11. Oktober 2008 Zwickau

„Die Positionen die wir vertreten haben schon unsere Väter, Großväter und Urgroßväter vertreten“

220 Neonazis marschieren am 11. Oktober 2008 durch Zwickau

Für den 11. Oktober 2008 riefen die „Nationalen Sozialisten Zwickau“ zu einem Aufmarsch unter dem Motto: „Regionalwirtschaft statt Globalisierung“ durch Zwickau auf. Etwa 220 Neonazis, von NPD bis Kameradschaftsspektrum, folgten dem Aufruf und zogen vom Hauptbahnhof aus durch die Innenstadt.

Unter dem Aspekt der szeneinternen Solidarität wurde dieser Aufmarsch am 20. September 2008 bereits zugunsten einer Neonaziveranstaltung in Dessau-Roßlau verschoben. Die Rechtsextremisten wollten sich nicht gegenseitig die Mitläufer ausspannen und sich andererseits wechselseitig unterstützen. Hatten am 20. September doch einige Neonazis aus dem süd-sächsischen Raum den Weg nach Dessau-Roßlau gefunden, wurde ihnen die Solidarität aus der anhaltiner Region nur marginal zuteil. Trotz lauthalser Kommentare unter dem Aufruf des „Freien Netz Zwickau“, in dem User schrieben: „Dessau steht hinter euch bis zum 11.10.08“, fanden weniger als eine Hand voll Dessauer Nachwuchsaktivisten den Weg in die Stadt des Sachsenrings.

Als Auftaktrede sprach Christian Bärthel, Mitarbeiter des NPD-Büros Zwickau, zunächst einige Gedenkworte für den kürzlich verstorbenen Rechtspopulisten Jörg Haider. Der Österreicher Haider verstarb in der zurückliegenden Nacht nach einem Autounfall. Bärthel mutmaßte, dass ein Vogel in die Windschutzscheibe des PKWs geflogen sei und halluzinierte hier den „Angriff der Falken“ herbei. Bei dem Titel „Angriff der Falken: Die verschwiegene Rolle von Mossad und CIA bei den Anschlägen vom 11. September“, ein 2002 erschienenes Buch von Wolfgang Eggert, wähnt der NPD-Vertreter wohl ein Zutun des israelischen oder US-amerikanischen Geheimdienstes, am Tod des Rechtspopulisten sehen zu können.

Im Folgendem wettert Bärthel über die zivilgesellschaftlichen Akteure, die für diesen Tag zu Protesten gegen den Neonaziaufmarsch mobilisiert haben, genauso wie gegen die Bürgermeisterin Zwickaus Pia Findeiß, die im Vorfeld dazu aufrief, die Neonazis zu ignorieren und die Fenster und Türen zu schließen. Der NPD-Vertreter Bärthel sprach Klartext darüber, dass Gewerkschaftsvertreter sich echauffiert hätten, dass Neonazis heutzutage  sie Positionen der LINKEN klauen würden: „Die Positionen die wir vertreten haben schon unsere Väter, Großväter und Urgroßväter vertreten, Kameradinnen und Kameraden.“, so Bärthel in der Auftaktrede der Veranstaltung ganz unverblümt, wessen Geistes Kind er und seine Sympathisanten sind.

Um 15.00 Uhr starteten die Neonazis, mit dem MdL und Zwickauer NPD-Ortvorsitzenden Peter Klose im alten Ford Fiesta als Lautsprecherwagen, in Richtung Innenstadt. Teils marschierten sie entlang der Fußgängerzonen, in denen die Geschäfte ihre Eingangstüren verschlossen kurz bevor der Demonstrationszug an ihnen vorbeizog oder andere extra Sicherheitspersonal bestellt hatten, um die Gäste im Außenbereich zu schützen.

Am Rathaus Zwickaus prangten große Transparente mit Bildern von Häftlingen und Leichenbergen aus Konzentrationslagern Nazideutschlands, die mit: „Nie wieder“ den menschenfeindlichen Ideologen der extremen Rechten eine klare Absage erteilen sollten. Ferner waren zahlreiche Plakate „Unsere Stadt hat Nazis satt“ von der Stadt Zwickau aufgehängt worden und unterschiedliche zivilgesellschaftliche Gegenveranstaltung im Stadtgebiet angemeldet worden.

Im Angesicht der Transparente am Rathaus sprach Christian Bärthel davon, dass ausgerechnet sie, als Vertreter ideeller und praktischer Gewalt und Ausgrenzung von Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen, die wahre Alternative zu Kriegen zwischen Nationen seien. Separatismus zwischen den Völkern und Nationen, Volksgemeinschaft, die Ausgrenzung als Grundsatz immanent hat, und darauf basierender Wirtschaftskreisläufe bestimmten die weiteren Reden von NPD-Vertreter Bärthels und zwei weiteren jüngeren Zwickauer Neonazis. Über den Georgenplatz ging es schließlich wieder Richtung Bahnhof zurück, wobei noch Vertreter des „Freien Netzes“ aus Geithain und Leipzig Reden gehalten haben.

Siehe auch dazu: Artikel auf Indymedia

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