20.September 2008 / Gesicht zeigen gegen linke Gewalt

mit Gewalttätern, Bombenbauern und Brandstiftern gegen linke Gewalt…

„Solidarität mit dem Kameraden Alexander“ – Pflege der eigenen Opferrolle hat Hochkonjunktur

Am 20.September 2008 veranstalteten Neonazikameradschaften aus Dessau-Roßlau und Umgebung in Zusammenarbeit mit NPD und JN einem Aufmarsch im Dessauer Stadtgebiet. Unter dem Motto: „Gesicht zeigen gegen linke Gewalt“ mobilisierten sie, nach dem 08.März und dem 31.Mai bereits zum dritten Aufmarsch in diesem Jahr überregionale Neonazis in die Stadt.

Im März diesen Jahres veranstalteten NPD-Kreisverband Wolfen-Anhalt-Dessau und die regionalen „Freien Nationalisten“ einen Trauermarsch in „Gedenken an die Opfer des alliierten Bombenterrors“ mit etwa 140 Neonazis (mehr dazu hier…). Ende Mai halluzinierte sich die Dessauer Rechte einen ermordeten Kameraden herbei, den es letztlich gar nicht gab (mehr dazu hier…). Für die Mobilisierung von knapp 100 Neonazis hatte die Märchenstunde genügt. Im Anschluss an eine angemeldete Kundgebung starteten die Anwesenden noch eine unangemeldete Spontandemo durch Dessau. Ein Teil der Angereisten wiederholte dies am selben Tag nochmals in Köthen (mehr dazu hier…).

Während in den vergangenen Monaten die Liste rechtsextremer Straftaten in Dessau-Roßlau  weiterhin enorm angestiegen ist, testen die Neonazis weiter aus, wie weit sie ihre eigene Opferrolle ausbauen können. Dass die Statistiken ein anderes Bild aufweist, wird von der faktenresistenten Neonazis dabei konsequent als „antideutsche Hetze“ verdrängt (mehr dazu hier…). Diesmal wurde allerdings mindestens drei Wochen öffentlich, online und mit Flugblättern, geworben und deutlich mehr neonazistisches Klientel angesprochen.

Carola Holz, Alexander W. und Thomas Wulff

Knapp 300 Neonazis fanden am 20.September den Weg nach Dessau-Roßlau, um „Solidarität mit dem Kameraden Alexander“ zu zeigen, wie es weitgereiste Moderator der Veranstaltung bei einer Zwischenkundgebung darstellte. Carola Holz, kürzlich zurückgetretene NPD-Landeschefin (mehr dazu hier…), Alexander W., Aktivist der „Freien Nationalisten Dessau“ sowie Thomas Wulff, Führungsfigur der Neonaziszene Norddeutschlands, führten den Aufmarsch an.  Für die Stadt Dessau-Roßlau stellte dieser Aufmarsch mit etwa 300 Neonazis den größten bisher dar.

Teilnehmer aus Sachsen-Anhalt, Sachsen, Niedersachsen, Brandenburg und Hamburg absolvierten sage und schreibe zehn Kilometer durch das Dessauer Stadtgebiet. Vom Bahnhof aus am Dessauer Polizeirevier vorbei, über die Zerbster Straße, am Rathaus vorbei, marschierten die Neonazis etwa drei Kilometer weit die Umgehungsstraße (Ludwigshafener Str.) entlang, um in die Kreuzbergstraße zu gelangen. Über die B184, die Hauptverkehrsader Dessaus, zurück und in der Askanischen Straße zum zweiten Mal an der Gedenk-Stele, die an die Deportation der Dessauer Juden und die Zerstörung der Synagoge erinnert, zog der Mob vorbei. Nach zweitem Tangieren des Rathauses führte der Aufmarsch zum Abschluss am Hauptbahnhof.

In der Kreuzbergstraße, einen Steinwurf zur Wohnadresse des Neonaziaktivisten Alexander W. entfernt, hielten sie eine endlos scheinende Zwischenkundgebung ab, die bei Bockwurst und Getränken, zu allgemeinem Motivationsverlust führte. So kritisierten Teilnehmer im Nachhinein online: „Verhielt sich in der ersten Stunde die Disziplin noch im Rahmen, so konnte man dies für und nach der ersten Zwischenkundgebung nicht mehr behaupten.“ und „Nach einer weiteren Zwischenkundgebung, in der Redebeiträge gehalten und Bockwürste verkauft wurden, war der Missmut einiger Kameraden soweit gestiegen, dass man beschloss die Demonstration vorzeitig zu verlassen.“ (netzwerkmitte.com) Ähnlich im Thiazi-Forum: „Interessant war, dass einige Kameraden beschlossen, auf Grund der schlechten Organisation der Demo, sie früher zu verlassen.“ Moderator Thomas Wulff wies in dieser Funktion auch schon bessere Qualitäten auf, als an diesem Tage in Dessau-Roßlau.

Mit Gewalttätern, Bombenbauern und Brandstiftern gegen linke Gewalt aufmarschieren, gelang den rechtsextremen Organisatoren am 20.September durchaus. So fanden sich unter den Teilnehmern beispielsweise Steven D. (rotes Tshirt), der nach einem Brandanschlag auf ein asiatisches Restaurant in Wittenberg im Jahr 2000 eine mehrjährige Haftstrafe verbüßte (mehr dazu hier…). Oder aber auch Andreas M., „der Bombenbauer von Wittenberg“ (li.), der 1994 einen Bombenanschlag auf eine PDS-Veranstaltung mit Lothar Bisky geplant hatte. Der vorbereitete Sprengsatz ging allerdings alkoholbedingt in seiner Wohnung in die Luft (mehr dazu hier…).

Ein weiterer Teilnehmer, kassierte im Zuge der Demonstration Anzeigen, weil er Fotojournalisten nötigte und versuchte einem die Kamera mittels Fahnenstange aus der Hand zu schlagen. Zunächst flüchtete dieser sich nach dem Angriff in den schützenden Kameradenkreis zurück, später konnte er aber dennoch von der Polizei gestellt werden. Erläuternd dazu brüskieren sich Neonazis im Thiazi-Forum: „Skandalös war, dass die ältere Anmelderin einen unserer Kameraden zwang sich der Polizei zu „stellen“. Durch den Schutz der Kameraden könnte der Aktivist noch dem Zugriff der Bullen entzogen werden. Schade, dass die eigenen Leute einem dann in den Rücken fallen.“

Kai B.(li.), "Autonome Nationalisten Hannover"

Jener Täter, Kai B. (li.) aus dem Hannoveraner Umland, sei Hauptprotagonist der „Autonomen Nationalisten Hannover“ und unter dem Pseudonym „ulfhedir“ in diversen Foren anzutreffen, bei Youtube betitelt er sich als „NSBM-Fan des Jahres“. (NSBM = nationalsozialistischer Black Metall) Kai B. ist auch bereits für Angriffe auf Fotografen bekannt. So sei er beteiligt gewesen, als am 01.Mai 2008 in Hamburg ein Mob Neonazis ausbrach, um Fotografen am Rande der Demonstration zu jagen. Hierbei kam es zu Körperverletzungen und Raubes einer Kamera.

Zu geschlossenem Protest gegen den Aufmarsch der Rechtsextremen kam es an diesem Tag, neben dem Interkulturellem Stadtparkfest, mit bis zu 400 Besuchern, nur marginal. Dem Auftakt der Neonaziveranstaltung wurde am Hauptbahnhof von etwa hundert Protestierenden mit musikalischer Stimmung entgegnet. Direkte Störversuche von Antifa-Akteuren gegen den Aufmarsch wurden von der Polizei unterbunden.
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