05. Juli 2008 NPD-Sommerfest / Sangerhausen

Unter dem Motto „Anpacken – Aufräumen – Aufbauen“ veranstaltete der Landesverband der neonazistischen NPD am 05. Juli 2008 das zweite „Sommerfest der nationalen Bewegung“ in Sangerhausen. Mit 200 bis 220 Teilnehmern hat sich die Sympathisantenzahl dieses Jahr fast halbiert. Da dieses niederschwellige, jugendkulturell ausgerichtete Event zur szeneübergreifenden Vernetzung und Vorbereitung auf die Wahlen im kommenden Jahr angepriesen wurde, bleibt zu hoffen, dass die verminderte Teilnehmerzahl (350 – 400 in 2008 ) ein Vorzeichen auf die Entwicklung der Neonaziszene und den Wahlkampf der NPD darstellt.

Neben wenigen Teilnehmern aus angrenzenden Bundesländern, stellten sachsen-anhaltiner Neonazis, auch zahlreiche aus der Region Anhalt, die Mehrzahl der Teilnehmer.

Als Redner traten beispielsweise auf: Carola Holz, kommissarische NPD-Landesvorsitzende und Mitglied im Kreistag Anhalt-Bitterfeld, Dr. Olaf Rose, bekannter NS-Geschichtsrevisionist und Mitarbeiter der sächsischen NPD-Landtagsfraktion, Thomas Wulff, Mitglied im NPD-Bundesvorstand und Führungsfigur der Norddeutschen Neonaziszene, sowie Jürgen Rieger, bekannter Holocaustleugner, Multifunktionär der Neonaziszene und Vorsitzender der Hamburger NPD.

Während Rose mittels Geschichten eines vermeintlichen Pflegers von Rudolf Hess in erster Linie für sein bald erscheinendes Buch zu diesem Themenkomplex warb, fand Thomas „Steiner“ Wulff eine klare Wortwahl zur Querfrontidee innerhalb der Neonaziszene und auch zum demokratischen System. Wulff rechnete in seiner Rede einerseits mit NPD-Politikern, z.B. Parteivorsitzenden Udo Voigt, aber auch mit Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann ab. Hetzerisch äußerte er sich gegen Voigt, der einmal abfällig zu ihm gesagt habe, dass alle Kameraden außerhalb der Partei für ihn zu vernachlässigen seien. Hövelmann wie seinen Mitstreitern drohte er an, ihnen und dem System „in den Arsch beißen“ zu wollen und sie zu jagen, bis dass demokratische System abgeschafft sei. Als jahrzehntelanger Neonaziaktivist stellte Wulff klar, dass für ihn die „nationale Bewegung“ nur mit allen Kräften zusammen erfolgreich sein könne, die NPD nur ein Werkzeug auf dem Weg zum „Nationalen Sozialismus“ sei und immer klar gewesen sei, dass der parlamentarische Weg nur ein weiterer Baustein für Propaganda darstelle.

Jürgen Rieger hingegen wettert gegen die interkulturelle Gesellschaft, wie sie auch trotz Verneinung von Rechts längst vorherrscht. Bei Riegers Rede zu Andersartigkeit von „Menschenrassen“, könnte dem ein oder anderen Zuhörer, bei ausreichender Resistenz gegenüber wissenschaftlich belegten Fakten über die Nicht-Existenz von Menschenrassen, tatsächlich die Idee der Volksgemeinschaft plausibel vorkommen. Sofern die Mehrheit der anwesenden denn zuhören würde, anstatt sich alkoholische Getränke an der anliegenden Tankstelle zu besorgen, da es auf der Veranstaltung nur Alkoholfrei gibt. Scheinbar werden Riegers Mandanten, die er anwaltlich vertritt, vielfach von türkischen Mitbürgern angegriffen ohne einen Anlass geliefert zu haben und dennoch seien die Mandanten folglich immer als Schuldige vor Gericht hingestellt. Von Rieger angeführte Umfragen zufolge solle Adolf Hitler für fünf von sechs Menschen weltweit eine der drei positivsten Personen der Weltgeschichte darstellen, weswegen sich Deutschland auch nicht in der ganzen Welt, für den Nationalsozialismus schämen müsse. Diese Relativierungen Hitlers und des Nationalsozialismus` veranlassen die Ordnungsbehörde, wie auch bei Wullfs Rede, den Veranstalter zu ermahnen, was auch umgehend dem Redner übermittelt wird, um diesen im Zaum zu halten. Für Inhalte Riegers wie auch Wullfs Rede wolle die Versammlungsbehörde Ermittlungen gegen diese einleiten.

Die musikalischen Darbietungen an diesem Tage lassen zumeist, sowohl an spielerischem Können als auch an der qualitativen Befähigung von Musikern wie auch Techniker, zu wünschen übrig. Da blieb das Erlebnis als solches wohl insgesamt weit hinter der Erwartungshaltung des vorfreudigen Neonazikonsumenten, dem doch, mit hörbar schlechtem Gewissen von NPD-Landesgeschäftsführer Matthias Heyder, zwischendurch vermittelt werden musste, dass bei politischen Veranstaltungen die Reden halt immer einen bestimmten Prozentsatz ausmachen müssten, und sie deshalb trotz merklichem Desinteresse diese erdulden müssten. Doch auch während des Erklingens unterschiedlicher Spielarten des Rechtsrocks mutete die mehrheitliche Stimmung des Publikums eher einem Sitzkonzert oder einem Schülerbesuch im Theater an. – ‚Nun bin ich schon mitgekommen zur NPD, also wo bleibt meine versprochene Belohnung?‘

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  2. 2 Juli 2008 «

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