mz-web.de: Klares Zeichen gegen Rechts

Bis zu 700 Bernburger demonstrieren gegen die Jungen Nationaldemokraten
von Heiko Wigrim, 11.03.08, 19:59h, aktualisiert 11.03.08, 20:28h

Bernburg/MZ. „Ich freue mich, dass wir so viele junge Leute erreicht haben“, freute sich Kirchenpräsident Helge Klassohn. Zwischen 550 (Polizeiangaben) und 700 (Veranstalterangaben) Bernburger demonstrierten am Dienstag gegen die Bundesgeschäftsstelle der Jungen Nationaldemokraten (JN) in der Fußgängerzone am Bernburger Markt 28. Aufgerufen zur Demonstration hatte das Bernburger Bündnis für Demokratie und Toleranz gegen Rechtsextremismus und Gewalt.

Ihren Ausgangspunkt nahm die Demonstration auf dem Karlsplatz. „In Bernburg ist kein Platz für Nazis“, rief Roland Wiermann vom Sprecherrat des Bündnisses den dort wartenden Menschen zu. „Unser Protest soll gewaltfrei bleiben“, wünschte er dann, als sich der Demonstrationszug in Richtung Markt in Bewegung setzte.

Dass es gewaltfrei blieb, war neben der Besonnenheit der Demonstranten auch der Präsenz der Hundertschaft Bereitschaftspolizei aus Magdeburg und den rund 20 örtlichen Polizeikräften zu verdanken. Neben einigen kurzen Sprechchören einer Antifa-Gruppe, die sich in der Nähe der Bundesgeschäftsstelle der Jungen Nationaldemokraten aufgestellt hatte, kam es zu keinen Störungen der Veranstaltung. Auch deshalb, weil die Polizei einen direkten Kontakt der gegensätzlichen Gruppen verhinderte.

„Das Fass ist voll – Nein zur JN“ lautete das Motto der Demonstration, an der auch Vertreter aller demokratischen Parteien teilnahmen. In Anlehnung an das Motto bildeten die Demonstranten eine Menschenkette vom Markt bis zur Saale. Dort füllten Landrat Ulrich Gerstner, Bernburgs Oberbürgermeister Henry Schütze und Kirchenpräsident Klassohn Eimer mit Saalewasser, die dann zu einem Fass auf dem Markt weitergegeben wurden. 17.30 Uhr kam vom Markt der Ruf: „Das Fass ist voll!“

„Wir brauchen Demokratie und Toleranz, nicht aber Diktatur und Gewalt“, erklärte Kreisoberpfarrer Karl-Heinz Schmidt zuvor zu den Demonstranten. Landrat Gerstner erinnerte an den Überfall rechter Schläger auf Bernburger Gymnasiasten und an die unrühmliche Geschichte Bernburgs in den Kriegsjahren, als 14 000 Menschen in den Gaskammern umgebracht worden seien. Gerstner forderte Hinsehen, statt wegzuschauen. „Bernburg bleibt und ist weltoffen, tolerant und vielfarbig.“

„Nein zur JN! Wir wollen besser leben, ohne Nazis“, riefen zwei Bernburger Schüler unter dem Beifall der Demonstranten.

„Die Demokratie braucht Demokraten, Bürger, die die Demokratie verteidigen“, sagte der Kirchenpräsident. „Die Bundeszentrale der Jung-Nazis muss aus Bernburg weg. Den braunen Herren muss der Raum hier eng werden. Wir wollen sie hier nicht haben.“
Quelle

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