mz-web.de: Rechte Szene besetzt neue Themen

Antifaschistische Informationstour durch Jugendklubs der Region – Auftakt im Krondorfer Jugendtreff
von Bärbel Helbig, 27.01.08, 20:52h, aktualisiert 27.01.08, 21:16h
Wolfen/MZ. Im Krondorfer Jugendtreff ist am Sonnabend eine antifaschistische Informationstour durch Jugendklubs der Region gestartet worden. Dafür gibt es nach Ansicht der Veranstalter gute Gründe. In Magdeburg, dem Harz und in Anhalt-Bitterfeld werden nach den Worten von Stefanie Heide vom Verein Miteinander landesweit die meisten rechten Gewalttaten verübt. Der Angriff auf einen Inder vor wenigen Tagen in Bitterfeld und die Jagd auf Linke in Dessau seien nur die jüngsten Beispiele, sagt Knut Reinecke vom Landesvorstand der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten (VVN).

„Wir wollen aufklären, welche Verbindungen es zwischen NPD und freien Kameradschaften gibt, wie Musik eingesetzt und mit Schulhofzeitungen versucht wird, rechtes Gedankengut zu verbreiten“, so Reinecke.

Mit 13 Sitzen in Kreistagen von Sachsen-Anhalt sowie zwei Sitzen in den Stadträten von Halle und Quedlinburg ist die NPD inzwischen in den Parlamenten angekommen. Damit habe sie mit einem Teil ihrer Strategie, die Straße, die Köpfe und die Parlamente zu erobern, bereits Erfolg gehabt, sagte Stefanie Heide in ihrem Vortrag „Rechte Normalität in Jugendkultur und Gesellschaft“. Nach ihren Beobachtungen werden neue Themen wie Antikapitalismus oder Umweltschutz von Rechts aufgegriffen. Das belegte sie u.a. mit Bildern von brennenden USA-Fahnen, wie sie auf Demonstrationen und Kundgebungen gezeigt werden, und mit einer Umweltzeitschrift der NPD, die bundesweit erscheint.

In der Jugendkultur zeige sich, so Stefanie Heide, eine differenzierte rechte Szene mit einer Fülle von Angeboten. „Jeder Musikstil wird genutzt“, sagte sie und führte Namen von Bands und Textbeispiele an, die Skinheads, Hooligans, NS Black Metal, NS Hardcore, Techno, Hip-Hop oder Gothic zugeordnet werden können. Mitunter sei das aber nur schwer zu erkennen. Es sei auch längst nicht mehr so, dass Rechte an bestimmten Äußerlichkeiten wie Glatzkopf und Springerstiefeln zu erkennen sind. Es gebe jetzt auch rechte Demonstranten mit bunt gefärbten Haaren.

Ein Wandel lasse sich auch in der Kleidung erkennen, sie sei diskreter und modischer geworden. An die Stelle früher bevorzugter Marken wie Lonsdale und Alpha Industries seien viele andere rechte Szene- und Bandmarken getreten, die vor allem im Internet oder auch in Szeneläden vertrieben werden. Wie die nordisch-germanische Runensymbolik genutzt wird, wies sie am Beispiel der Neonazimarke Thor Steinar nach und berichtete über die juristischen Auseinandersetzungen.

Zu den jungen Leuten, die sich für die antifaschistische Infotour engagieren, gehört auch der Bitterfelder René Erler, Jugendbeauftragter der VVN. „Wir wollen vorher da sein und zeigen, wie sich die NPD und deren Jugendorganisation aller Bereiche jugendlicher Subkulturen bedienen.“ Am 23. Februar wird das in der Köthener Martinskirche, am 29. März im Wolfener Jugendklub „Roxy“ gezeigt.
Quelle

Advertisements

  1. 1 Januar 2008 «

    […] Antifaschistische Informationstour durch Jugendklubs der Region – Auftakt im Krondorfer Jugendtreff von Bärbel Helbig, 27.01.08, 20:52h, aktualisiert 27.01.08, 21:16h Wolfen/MZ. Im Krondorfer Jugendtreff ist am Sonnabend eine antifaschistische Informationstour durch Jugendklubs der Region gestartet worden. Dafür gibt es nach Ansicht der Veranstalter gute Gründe. In Magdeburg, dem Harz und in Anhalt-Bitterfeld werden nach den Worten von Stefanie Heide vom Verein Miteinander landesweit die meisten rechten Gewalttaten verübt. Der Angriff auf einen Inder vor wenigen Tagen in Bitterfeld und die Jagd auf Linke in Dessau seien nur die jüngsten Beispiele, sagt Knut Reinecke vom Landesvorstand der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten (VVN). weiter… […]






%d Bloggern gefällt das: