mz-web.de: Die Reise soll Mahnung sein

Zug der Erinnerung macht auf dem Bahnhof Station – Kritik an Deutscher Bahn
Von Susanne Weihmann, 17.01.08, 18:27h, aktualisiert 17.01.08, 21:26h
Bernburg/MZ. Mit einem lauten Quietschen kommt die Dampflok auf den Schienen etwas außerhalb des Bernburger Bahnhofs zum Stehen. Danach herrscht eine beklemmende Stille. Eine Stille trotz der vielen Menschen, die dem „Zug der Erinnerung“ am Donnerstag in der Saalestadt empfingen. Der Zug, der an die Deportation von über 12 000 jüdischen Kindern und an die Verschleppung von Kindern und Jugendlichen aus zahlreichen anderen Opfergruppen während der Zeit des Nationalsozialismus erinnern will, und der seit dem 8. November letzten Jahres verschiedene Stationen in Deutschland anfährt. Ziel der Fahrt, die von dem gemeinnützigen Verein „Zug der Erinnerung“ koordiniert wird, ist dann am 8. Mai Auschwitz.

Still ist es später auch im Zug, als sich die Menschenmenge, darunter viele Schüler, durch die Waggons bewegt. Sie lesen stumm die Daten auf den Schautafeln und sehen sich die Fotos der Kinder an. Kaum eines davon hat die Transporte in die Vernichtungslager überlebt. Auch nicht Inge Katzmann aus Leipzig. Am 17. September 1942 kam für das 1933 im Erzgebirge geborene Mädchen und seine Familie der Befehl zur Transportsammelstelle in Leipzig. Zwei Tage später begann die Deportation, die sie zunächst ins KZ Theresienstadt führte. Außer Inge waren noch vier weitere Jungen und Mädchen zwischen vier und elf Jahren aus Leipzig im Zug, ist von den Schautafeln zu erfahren.

Nach viermonatiger Gefangenschaft in Theresienstadt wurde der Abtransport der Familie Katzmann nach Auschwitz angeordnet. Keiner aus der Familie kehrte von dort zurück. Es wird aber auch über die unzähligen Opfer aus anderen Ländern berichtet, etwa von Hertha Aussen aus den Niederlanden. Sie schreibt im Herbst 1943 die letzten Zeilen aus dem Zug an ihre Freundin. Zusammengepfercht in einem Viehwaggon mit 40 anderen Menschen und Gepäck wird sie vom Lager Westerbork nach Auschwitz gebracht. „Auf ein baldiges Wiedersehen in unserem geliebten, kleinen Holland. Leb wohl, ein Kuss.“ Sie ist eine von 100 000 niederländischen Juden, die getötet werden. Es sind die Schicksale wie diese, die berühren und nachdenklich stimmen.

Bisher haben über 40 000 Menschen in ganz Deutschland, darunter Frankfurt / Main, Stuttgart und Göttingen, die Ausstellung gesehen. Am Mittwoch waren es in Halle, wo der Zug nach seinem Abstecher nach Bernburg noch bis morgen Station macht, weitere 1 500 Besucher gewesen, die sich über die Kinderschicksale informierten. „Erst durch das Rückgrat der Reichsbahn war es möglich, diesen Feldzug zu organisieren“, sagte Staatssekretär Rüdiger Erben, der die Deutsche Bahn, als Rechtsnachfolger der Reichsbahn, kritisierte, dass sie die Ausstellung nicht unterstützte.

Im Gegenteil: Es müssen sogar noch Gebühren für die Streckennutzung gezahlt werden. Dabei, so Margret Hamm, habe die Reichsbahn, an jedem der 1,5 Millionen Kinder, die deportiert wurden, verdient. Die zweite Vorsitzende des Vereins für die Opfer von Euthanasie und Zwangssterilisation aus Detmold, bezeichnete es als „schamlos“ auch noch Geld für die Streckennutzung zu verlangen.
Quelle

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  1. 1 Januar 2008 «

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