mz-web.de: Beobachter erheben Mordvorwurf

Asylbewerber Oury Jalloh war vor drei Jahren in einer Polizeizelle gestorben
von Alexander Schierholz, 06.01.08, 18:57h, aktualisiert 07.01.08, 14:59h
Dessau/Berlin/MZ. Im Prozess um den Feuertod des afrikanischen Asylbewerbers Oury Jalloh vor drei Jahren in einer Dessauer Polizeizelle haben Flüchtlings- und Menschenrechtsgruppen verlangt, die beiden verdächtigen Polizisten wegen Mordes anzuklagen. Derzeit müssen sich die zwei Beamten des Dessauer Reviers wegen Körperverletzung mit Todesfolge und fahrlässiger Tötung vor dem Landgericht verantworten.

Die Gruppen, die den Prozess beobachten, begründen ihre Forderung mit diversen Ungereimtheiten. Dabei geht es etwa um eine angeblich verschwundene Videoaufnahme der Polizei von der Zelle oder um unterschiedliche Angaben über die Anzahl der nach dem Brand gefundenen Feuerzeuge.

„Die Zeugenaussagen von Polizisten widersprechen sich“, sagte Mouctar Bah von der „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“ der MZ. Diese offenen Fragen rechtfertigten eine Mordanklage. Diese Forderung wurde am Wochenende auch bei einer Konferenz in Dessau-Roßlau und auf einer Tagung in Berlin geäußert.

Die Nebenklage will sich dies aber nicht zu eigen machen. „Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass Oury Jalloh bewusst getötet wurde und damit einem Verbrechen zum Opfer gefallen wäre“, sagte Anwalt Ulrich von Klinggräff der MZ. Er teilt aber die Ansicht, dass vieles noch ungeklärt sei. So müsse man zwar von nur einem Feuerzeug ausgehen, das einer der Angeklagten bei der Durchsuchung Jallohs übersehen haben soll, nannte der Anwalt ein Beispiel. Es gebe aber abweichende Aussagen darüber, wo das Feuerzeug später gefunden worden sei. „Da passt etwas nicht zusammen“, so von Klinggräff.

Oury Jalloh aus Sierra Leone war am 7. Januar 2005 in einer Gewahrsamszelle des Dessauer Polizeireviers verbrannt. Heute ist in Dessau ein Gedenkmarsch geplant.
Quelle

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