mz-web.de: Umbau bei laufendem Motor

Die Polizeidirektion Ost hat am 1. Januar 2008 ihre Arbeit aufgenommen
von Steffen Brachert, 02.01.08, 18:27h, aktualisiert 02.01.08, 21:05h
Dessau-Roßlau/MZ. 34 Stunden und 15 Minuten existierte die Polizei in Sachsen-Anhalt in neuen Strukturen, als Rüdiger Erben, Staatssekretär in Sachsen-Anhalts Innenministerium, in Dessau-Roßlau nicht ohne Stolz Vollzug meldete. „Es war ein Umbau bei laufendem Motor“, gestand Erben. Und der Motor brummt.

Mitte Mai des Jahres 2006 war erst der Arbeitsauftrag gestellt worden. „Andere Bundesländer arbeiten seit fünf Jahren an dem Thema Polizeistrukturreform“, erinnerte Erben. „Wir haben nicht einmal ein Jahr benötigt.“ Sachsen-Anhalt steht eben früher auf. Seit 0 Uhr am 1. Januar wird in den neuen Polizeistrukturen gearbeitet.

Irritationen am Anfang

Es hatte Irritationen gegeben, als im vergangenen Jahr erste Pläne öffentlich wurden, wie Sachsen-Anhalts Polizei künftig strukturiert werden soll. Dass die Zahl der Polizeidirektionen sinken sollte, war klar. Dass es aber nur noch zwei Polizeidirektionen geben sollte, in Halle und Magdeburg, nicht aber in Dessau-Roßlau, dass der oberzentrale Dreiklang im Land ausgerechnet bei der Polizei aufgehoben werden sollte, provozierte Proteste, die nicht ohne Reaktionen blieben und in der Landespolitik zu einem Umdenken führten: Im Ergebnis stehen jetzt drei Polizeidirektionen.

Dass Erben am 2. Januar in Dessau-Roßlau vorbeischaute, war für den ehemaligen Weißenfelser Landrat nicht ohne selbst gewählte Symbolik. „Wir haben zum Jahreswechsel drei vollwertige und identisch aufgebaute Polizeidirektionen geschaffen.“ Erben betonte das ausdrücklich. „Es gibt keine 1a- oder 1b-Direktionen. Und das soll auch so bleiben.“ Erbens Sätze, ein Bekenntnis für die neu geschaffene Polizeidirektion Ost, wurden aufmerksam registriert und dokumentiert. Für den Fall der Fälle.

„Wir haben die Polizeistrukturen nicht einfach neu zugeschnitten“, versicherte Erben nach einem Arbeitsgespräch in Dessau-Roßlau. „Unser Anspruch war es, mehr Polizei in die Fläche zu bringen.“ Gelungen sei das vor allem durch ein Verschlanken der Führungsebene, „den Abbau von Overhead“, wie es Erben umschrieb. 200 Beamte wurden in Sachsen-Anhalt in die mit deutlich mehr Kompetenzen ausgestatteten Polizeireviere, Polizeikommissariate und Polizeistationen geschickt. Dessau-Roßlau bekam 23 Beamte dazu, Wittenberg sogar 26. Bei der Autobahnpolizei in Dessau-Roßlau tun künftig 15 Beamte mehr ihren Dienst.

Der vollzogene Umbau wird nicht ohne Anpassungsprobleme bleiben. „Die Struktur steht. Die Personalentscheidungen sind gefallen. Das Führungspersonal ist installiert“, erklärt Erben. Doch die neue Arbeit, die Abstimmung untereinander, muss sich erst einspielen. Das gab auch Karl-Heinz Willberg, der neue Chef der Polizeidirektion Ost, zu. 70 Mitarbeiter mussten sich allein im Bereich der Polizeidirektion Ost funktional und räumlich verändern.

Hohe Ansprüche

„Die nächsten Monate und Jahre werden zeigen, ob die neue Strukturreform von Erfolg gekrönt wird“, sagt Willberg, bemüht, den Bürgern die Angst vor den neuen Strukturen zu nehmen. „Dort, wo es am 31. Dezember Polizei gegeben hat, gibt es auch am 1. Januar Polizei“, bekräftigt Erben. „Die Bevölkerung darf in der Qualität der Polizeiarbeit keine Rückschritte merken“, sagt Willberg. „Das Gegenteil ist unser Anspruch.“

Das wird Folgen haben: Allein die Abteilung Staatsschutz wurde in den drei Revieren der Polizeidirektion Ost von 13 auf 34 Beamte aufgestockt. In Anhalt ist das nach den Staatsschutz-Querelen der vergangenen Monate, die gerade ein Untersuchungsausschuss klärt, nicht unheikel. „Wir wollen in der Extremismusbekämpfung vorankommen“, sagte Willberg, in Kauf nehmend, dass die Fallzahlen in der Statistik kräftig ansteigen. „Wenn man aus einem Dunkelfeld ein Hellfeld macht, müssen sie immer mit höheren Zahlen rechnen“, erklärte Erben. „Wir wollen aber nicht nur die Fallzahlen erhöhen“, sagte Willberg. „Wir wollen auch Delikte verhindern.“
Quelle

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